Video: David Precht prophezeit ein Ende der Massentierhaltung

Im Rahmen einer groß angelegten Veranstaltung über Agrar- und Ernährungsfragen der Zukunft hielt Richard David Precht Ende Mai 2017 in Berlin einen bemerkenswerten Vortrag, in welchem er einerseits darlegt, warum alle bisherigen überwiegend ethisch geprägten Versuche, gegen die Massentierhaltung anzugehen, an der sogenannten wirtschaftlichen Vernunft scheiterten und in dem er andererseits voraussagt, dass, allerdings aus der wirtschftlichen Vernunft kommend, die Jahre der Massentierhaltung gezählt sind.

Quelle: YouTube, Richard David Precht (* 8. Dezember 1964 in Solingen) ist ein deutscher Philosoph und Publizist.

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Tierethik in den Kirchen

Ethik ist die Lehre vom richtigen Handeln. Sowohl seitens der Geisteswissenschaften, neuerdings auch seitens der Naturwissenschaften, als auch durch Religionen gab und gibt es immer wieder Anstöße für ethisch richtiges Verhalten. Gerade Religionen haben in ihren Inhalten einen nicht unerheblichen Ethik-Anteil, der der Gesellschaft allerdings nur in geringem Ausmaß bewusst ist. Dies gilt in einem sehr großen Ausmaß für die Tierethik. Hier regen sich aber in unserer Zeit Keime einer Veränderung. Immer mehr Stimmen werden laut, die auf den bisherigen falschen Umgang mit der Natur und damit auch mit der Tierwelt hinweisen und die eine Umkehr unseres Denkens und Handelns verlangen. Auch in den Kirchen.  Ein Minibeispiel dafür ist ein Pfarrbrief einer katholischen Kirchengemeinde hier in Oberfranken, der sich zu einem großen Teil dem Thema Tierschutz widmet. Das einleitende Grußwort, verfasst von Sigrid Hader-Popp, sei hier wiedergegeben:

 

Liebe Leserinnen und Leser des Ebrachgrundblicks,

„Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen…“ so beginnt der „Sonnengesang“ des Hl. Franziskus von Assisi. Für ihn steht der Mensch nicht herrschend über allen Tieren, sondern er sieht sie als „gleich gestellte Werke des allmächtigen Gottes – unsere Brüder“, mit denen wir vor Gott in einer Gemeinschaft leben.

Dass Tiere uns nahe stehen, Gefühle haben und zeigen, leiden und sich freuen können, klug sind und mit uns auf ihre Art kommunizieren, wissen alle, die mit Heimtieren in guter Hausgemeinschaft leben. Besonders kleine Kinder spüren die Seelenverwandtschaft mit Tieren und fühlen sich zu ihnen meist spontan hingezogen.

Präzise und sachlich nähern sich die Neurowissenschaften und die Biologie den Tieren an. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht die Zeitungen über neue Erkenntnisse der Forscher über die kognitiven und emotionalen Fähigkeiten von Tieren berichten: Hunde zeigen Ansätze schlussfolgernden Denkens, Rabenvögel stellen sich Werkzeuge her und erkennen Gesichter von Menschen wieder, Delfine bilden komplexe Gruppen, die zusammenarbeiten, Schimpansen erkennen sich selbst im Spiegel, haben also ein Ich-Bewusstsein und so weiter.

Staunen und Ehrfurcht stellen sich ein, wenn man darüber nachdenkt, und tiefe Freude über die Wunder der Schöpfung.

Dass wir diese Ehrfurcht nicht in unser Alltagsleben übertragen, spüren wir. Wir verhalten uns oft, als wüssten wir nicht, dass z.B. die Schweine in den Mastanlagen auf demselben Entwicklungsstand stehen wie unser geliebter Haushund neben uns, dass Enten, Gänse, Hühner in den oft engen Ställen genauso wunderbare Wesen sind wie die Störche, deren majestätischen Flug über unsere Dächern wir so erfreut beobachten. Uns wird mulmig, wenn wir daran denken, wie die – von uns – so genannten „Nutztiere“ meist behandelt werden. Wir wissen schon, warum auf unseren Erntedankfest-Altären nur Früchte und Gemüse liegen und nicht ein toter Hase oder ein Huhn mit abgehacktem Kopf.

Irgendwie stimmt etwas nicht mit unserem Verhalten. Papst Franziskus spricht dies in seiner Enzyklika „Laudato si!“ deutlich an, ja er fordert alle Christen ganz direkt zu einer Umkehr auf, was unsere Beziehung zu den anderen Geschöpfen und zur Welt betrifft. Er schreibt: „Ich lade alle Christen ein, diese Dimension ihrer Umkehr zu verdeutlichen, indem sie zulassen, dass die Kraft und das Licht der empfangenen Gnade sich auch auf ihre Beziehung zu den anderen Geschöpfen der Welt, die sie umgibt, erstrecken in jener Geschwisterlichkeit mit der gesamten Schöpfung, die der heilige Franziskus in so leuchtender Weise lebte.“ (Abschnitt 221)

Lassen Sie uns doch dieser Einladung folgen!

Hauptströmungen des Tiermissbrauchs

Das, was man in der Regel als Tiermissbrauch wahrnimmt, sind Probleme rund um  Hunde, Katzen und Kleintiere.  Damit werden wir immer wieder konfrontiert. Dies ist aber lediglich ein ganz kleines Segment des Tiermissbrauchs. Dieser hat in seiner Gesamtheit ungeheure Ausmaße.

Die Hauptströmungen des Tiermissbrauchs sind:

  • Industrielle Produktion von Fleisch (Rinder, Schweine, Schafe, Geflügel)
  • Industrielle Produktion von Milch
  • Industrielle Produktion von Eiern
  • Produktion von Kleidung aus Tiermaterialien (Leder, Pelze, Schafwolle)
  • Fischfang
  • Grundlagenforschung (Tierversuche)
  • Pharmazeutisch – medizinische Forschung (Tierversuche)
  • Verträglichkeits- und Giftigkeitsüberprüfungen (chemische- und der Kosmetikindustrie)
  • Jagd (Trophäen, Hobby, Gesellschaftsjagd, Fallenjagd)
  • Unterhaltung (Zoo, Zirkus, Stierkämpfe)
  • Sport (Hunderennen, Rodeos, Reitsport)
  • Heimtierwesen (schlechte Haltung, Welpenhandel)

Zusätzlich zu diesem direkten Tiermissbrauch gibt es indirekte Beeinträchtigungen von Tieren durch den Menschen, herrührend von unverantwortlichem Handeln der Menschen in anderen Lebensbereichen. Als Beispiele seien Fälle der sogenannten Ölpest oder der  Entsorgung von Plastikmüll in den Ozeanen genannt.

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Philip Wollen, Rede über die Auswirkungen des Fleischkonsums

Philip Wollen, ehemaliger Vizepräsident der Citybank Eindrückliche Rede über die Auswirkungen des Fleischkonsums. Hier einige Zitate.

Neben anderen namhaften Persönlichkeiten hielt Philip Wollen wieder eine eindrucksvolle Rede, die auch mehrere Passagen seiner legendären Rede „Animals Should Be Off the Menue„ aus dem Jahr 2012 enthielt. Lesen Sie daraus  zwei Zitate.

„Heutzutage leiden eine Milliarde Menschen an Hunger, 20 Millionen Menschen werden an Unterernährung sterben. Wenn der Fleischverbrauch nur um 10% verringert würde, könnten 100 Millionen Menschen mehr ernährt werden. Fleisch von der Speisekarte zu streichen, würde den Hungertod für immer Vergangenheit sein lassen. Wenn jeder Mensch sich wie die Menschen in den westlichen Industriestaaten ernähren würden, bräuchten wir zwei Planeten, um uns zu ernähren. Aber wir haben nur einen, und der geht gerade zugrunde.“

„Wasser ist, wie Sie wissen, das neue Öl. Nationen werden bald Kriege deswegen führen. Unterirdische Wasserspeicher, die sich über Millionen Jahre hinweg aufgefüllt haben, neigen sich dem Ende und trocknen aus.  Man braucht bis zu 50.000 Liter kostbares Trinkwasser für die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch.“

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Tiere und Menschen haben sehr viele Gemeinsamkeiten.

Die Wissenschaft definiert den Menschen (Homo sapiens) innerhalb der biologischen Systematik als ein höheres Säugetier aus der Ordnung der Primaten. Innerhalb dieser Gruppe gehört er letztlich zur Familie der Menschenaffen. Der Mensch ist also, biologisch gesehen, ein Tier.

k-Ferdy_und_FranziÜberspitzt formuliert, könnte man in der umgepolten Formulierung sagen, dass Tiere in einem gewissen Sinn auch Menschen sind. Sie unterscheiden sich vom Menschen unseres althergebrachten Verständnisses nur geringfügig, d.h. sie unterscheiden sich nicht grundsätzlich sondern nur graduell. Eigenschaften und Fähigkeiten sind anders ausgeprägt. Das Gemeinsame aber überwiegt. Ein DNA Vergleich von Mensch und Schimpanse zeigt dies überdeutlich:  „98 % der DNA und fast alle Gene hat der Mensch gemeinsam mit den Schimpansen“. Menschen und Menschenaffen sind also, grob gesehen, das gleiche. In abgeschwächter Form gilt diese Aussage auch für andere, weniger hoch entwickelte Tiere.

Tiere sind also Lebewesen die ein Bewusstsein haben, die ein Sozialleben pflegen, die Freude und Leid empfinden, die Schmerzen verspüren, die über Intelligenz verfügen, die ein moralisches Verhalten zeigen und, Tiere haben ein Selbstbewusstsein. Dies hat die Verhaltensforschung sehr eindeutig erwiesen. Konrad Lorenz und Jane Goodall sind zwei Persönlichkeiten, die viel zu diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen beigetragen haben.

Aber auch ohne Wissenschaft kommen Menschen, rein intuitiv, zu ähnlichen Ergebnissen, und dies nicht nur heutzutage, sondern immer schon, seit sich Menschen mit Tieren beschäftigen.
In unseren Breiten sind es Hunde und Katzen, zu denen wir eine gewisse Zuneigung entwickelt haben. Bei den sogenannten Nutztieren gibt es das nicht. Würde man sich allerdings mit ihnen ähnlich intensiv  beschäftigen, würde man, z.B. auch zu den Nutztieren Zuneigung entwickeln.
Und es schließt sich die Frage an: wie verhält man sich gegenüber den Tieren richtig? Wie soll richtiges Handeln gegenüber anderen Lebewesen, also auch gegenüber Tieren, aussehen.

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